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Ältester Parfümhersteller der Welt

Firmenschild von Johann Maria Farina von 1868

Firmenschild von Johann Maria Farina von 1868

310 Jahre Kampf gegen Nachahmer

Eines der ältesten deutschen Unternehmen feiert sein Jubiläum: Seit 310 Jahren gibt es nun die Firma „Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH“ in Köln. Und beinahe ebenso lange kämpft die wohl älteste noch existierende Parfüm-Fabrik der Welt gegen Fälschungen, Nachahmer und Produktpiraten.

Am 13. Juli 1709 gründete Giovanni Battista Farina das Unternehmen „G. B. Farina“ in seiner Wahlheimat Köln. Seine Familie stammte ursprünglich aus Santa Maria Maggiore im Piemont. Das neue Unternehmen vertrieb überwiegend Galanteriewaren, bis Johann Maria, Giovannis jüngerer Bruder, 1714 in die Firma einstieg.

Johann Maria Farina (1685-1766) entwickelte ein Duftwasser, ein „Aqua mirabilis“ oder „Wunderwasser“, wie man damals sagte (man schrieb Parfüms seinerzeit auch eine medizinische Wirkung zu, was die Hersteller eher selten dementierten). Das frische Duftwasser von Johann Maria Farina unterschied sich stark von den damals beim Adel üblichen schweren, extrem teuren Parfüms. Es basierte nicht auf Moschusessenzen, sondern setzte auf die Noten von Bergamotte, Zitrone, Orangen. „Mein Duft ist wie ein italienischer Frühlingsmorgen nach dem Regen“, soll Johann Maria seine Kreation beschrieben haben.

Aus Köln in die Welt

Farina-Flacon und "Beipackzettel" von 1811

Farina-Flacon und "Beipackzettel" von 1811

Zu Ehren seiner Wahlheimat Köln nannte er sein Parfüm später „Eau de Cologne“. Das Produkt sollte ganz langsam eine Weltkarriere hinlegen und schließlich einer ganzen Duftklasse den Namen geben. Farina gelang es, durch souveräne Einkaufspolitik für Rohstoffe, einen durchstrukturierten Manufakturbetrieb und nicht zuletzt dank seiner Fähigkeiten als Parfümeur, also dank seiner einzigartigen Nase, die Qualität seiner Produkte auf gleichbleibend hohem Niveau zu halten. Er war praktisch der Erfinder des Markenparfüms. Bis heute stellte Farina Eau de Cologne nach seinem Originalrezept her.

Zunächst aber blieb der Verkauf das Duftwasser eher ein Nebengeschäft; erst mit den Jahren rückte das „Eau de Cologne“ in den Mittelpunkt der Aktivitäten Farinas. Nach dem Tod seines Bruders führte Johann Maria das Geschäft ab 1733 unter seinem Namen und am neuen Ort – Obenmarspforten 23, gegenüber dem Jülichs-Platz – fort. Die Kurzform dieser Adresse – „Farina gegenüber “ – wurde ein Markenzeichen.

Der Duft der Fürsten und Promis

Wort-Bild-Marke Johann Maria Farina (002425452)

Wort-Bild-Marke "Johann Maria Farina gegenüber dem Jülich-Platz" (002425452)

Die Popularität des Kölnisch Wassers nahm zunächst vor allem in Frankreich bald rasant zu, dann europaweit. Mindestens bis Ende des 19. Jahrhunderts dominierte Eau de Cologne den Parfümeriemarkt. Das Familienunternehmen Farina wurde zum damals bekanntesten Parfümhersteller der Welt und Hoflieferant für viele Fürstenhäuser. Zahllose berühmte Persönlichkeiten von Mozart, Schiller und Napoleon über Heine, Beethoven und Oscar Wilde bis hin zu Thomas Mann und Bill Clinton zählten im Laufe der Zeit zu Farinas Kunden. Im Firmenarchiv – lückenlos seit 1709! – finden sich etwa Bestellungen von Queen Victoria (600 Flaschen!), Goethe („6 Gläser“) oder Kaiser Wilhelm I. („die übliche Sendung“).

Ein Nachahmer wird berühmter als das Original

"Farina gegenüber" warnt 1926 vor Nachahmern

"Farina gegenüber" warnt 1926 vor Nachahmern

Kein Wunder also, dass dieser Erfolg Begehrlichkeiten weckte und Nachahmer auf den Plan rief. Vor den Zeiten eines funktionierenden gewerblichen Rechtsschutzes konnten Produktpiraten ungehindert zur Sache gehen. Etliche konkurrierende Produkte erschienen unter teils sehr ähnlichen Herstellernamen auf dem Markt. Eines davon wurde schließlich bekannter als das Original: Bei „Eau de Cologne“ denken heute die meisten an „4711“, einen mittlerweile auch schon sehr traditionsreichen Nachahmer.

Wilhelm Mülhens verkaufte seit 1799 in der Kölner Glockengasse Eau de Cologne. Er nannte sein Unternehmen „Franz Maria Farina, Glockengasse 4711, Cöln“, um von Farinas Reputation zu profitieren. Damit begannen lange Auseinandersetzungen mit „Farina gegenüber“. Immer wieder holte Mühlens sich Personen namens Farina (in Italien ein häufiger Name), die aber mit der „Gegenüber“-Familie nichts zu tun hatten, als Mitarbeiter oder Teilhaber an Bord, um dem plagiativen Firmennamen einen Anschein von Berechtigung zu verleihen.

Marken in den Zeiten vor den Schutzrechten

Nachahmer-Liste von 1925

Farina wehrt sich gegen den "Missbrauch des Schlagworts 'gegenüber'", 1925

„Farina gegenüber“ gab daher in den „Frankfurter Nachrichtenblättern“ vom 20.9.1805 bekannt: „Um jeder Verwirrung in den Handlungs-Benennungen zwischen Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichsplatz und Franz Maria Farina vorzubeugen, die letzterer im Absatze seines Cöllnisch Wassers durch seine Gebrauchszetteln und Ankündigungen nicht zu vermeiden scheint; sieht Unterzeichneter sich genöthiget zu erklären, das gedachter Franz Maria Farina der Herr Wilhelm Mühlens in Cölln sey“, der den Namen eines gewissen Carl Franz Farina aus Bonn „käuflich an sich gebracht“ habe.

Erst 1873 wurde es Mühlens endgültig untersagt, „Farina“ im Firmennamen zu führen. Seither heißt das Unternehmen „Eau de Cologne- und Parfümerie-Fabrik Glockengasse No. 4711 gegenüber der Pferdepost“ (1682909). Heute gehört es dem Unternehmen Mäurer & Wirtz. Original und Nachahmung zählen beide zu den ältesten Parfümmarken der Welt; 4711 eher im niedrigpreisigen Bereich, Farina wie früher als Luxusartikel.

Vorreiter des gewerblichen Rechtsschutzes

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Familie Farina zu den Vorreitern der Entwicklung eines gewerblichen Rechtsschutzes in Deutschland zählte. Jean Marie Farina (1809-1880) kämpfte jahrzehntelang für einen gesetzlichen Markenschutz. 1836 machte er seine erste entsprechende Eingabe an die zuständige preußische Ministerialbürokratie. Im November 1874 wurde schließlich das erste Markenschutzgesetz im Deutschen Reichstag verabschiedet, am 1. Mai 1875 trat es in Kraft. Als erstes Kölner Unternehmen meldete „Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz“ seine Etiketten zur Registrierung als Warenzeichen an (aktuell 002425452).

Das Kölnisch Wasser und die Marken

Farinas Markenzeichen, die rote Tulpe (001551986)

„Farina gegenüber“ setzte sich noch bis in die jüngste Zeit hinein immer wieder gegen mutmaßliche Nachahmer zur Wehr. In der Datenbank DPMAregister finden Sie noch einige Beispiele für (gelöschte) Marken, die dem historischen Farina-Logo sehr ähnlich sehen oder ähnliche Adressen angeben. Es dürfte sich daher um Trittbrettfahrer-Marken gehandelt haben (z.B. 25348, 26016, 35568, 36770, 433499, 462625).

„Eau de Cologne“ ist heute der Gattungsbegriff für ein leichtes Parfüm mit etwa 3 bis 5 Prozent Duftstoffanteil und in der entsprechenden Warenklasse nicht als Marke schutzfähig (für Getränke dagegen schon; siehe 302012002803).

Original Eau de Cologne“ bzw. „Echt Kölnisch Wasser“ sind beim DPMA eingetragene Kollektivmarke des „Verbands der Kölnisch Wasser-Hersteller e.V.“. Die Eintragung als Gemeinschaftsmarke wurde aber 2014 vom EUIPO und letztlich vom EuG als „beschreibende Angabe ohne Unterscheidungskraft“ zurückgewiesen.

„Kölnisch Wasser“ hat eine örtliche Brauerei in den entsprechenden Nizza-Klassen als Marke für Getränke angemeldet (3020080012463, auch 399124594, 3020080012471).

Farina sicherte sich erst 2012 die Wortmarke „FARINA 1709 Original Eau de Cologne“. Markenzeichen ist eine rote oder schwarze Tulpe .

Die Firma (hier das aktuelle eingetragene Firmenlogo) ist immer noch im Besitz der Familie. Heute hat sie es dank DPMA & Co. etwas leichter, ihr geistiges Eigentum zu verteidigen als vor 310 Jahren.

Bilder: Farina-Archiv / gemeinfrei via Wikimeida Commons, DPMAregister, gemeinfrei via wikimediia Commons

Stand: 10.12.2019 

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